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Thomas Becker – Atelier für Schmuck

Preisträger in der Kategorie "Unternehmen mit 1-49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern"

Thomas Becker.

Nachhaltige Unternehmensführung ist eine langfristig angelegte Führungsaufgabe, die es ermöglicht, soziale, ökologische und kulturelle Aspekte in das unternehmerische Handeln zu integrieren. Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit bietet ein Wertefundament, das ich mit meinen Mitarbeitern, Kollegen, Lieferanten und Kunden teile. Nicht meine eigene Gewinnmaximierung, sondern eine Gewinnoptimierung im Sinne aller Beteiligten steht im gemeinsamen Fokus.

Thomas Becker, Inhaber Thomas Becker – Atelier für Schmuck

Das Hamburger Atelier für Schmuck des Goldschmiedemeisters Thomas Becker stellt Schmuck aus umweltschonend gewonnenen und fair gehandelten Edelmetallen und Edelsteinen her. Zum Team von Thomas Becker gehören vier weitere Goldschmiede und eine Bürokauffrau. 2013 überzeugte das kleine Unternehmen in allen fünf Aktionsfeldern und gewann den CSR-Preis der Bundesregierung in der Größenkategorie mit bis zu 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Was es heißt, Rohstoffe aus fairen Quellen zu beziehen

Für Goldschmiede von höchster Relevanz unter ökologischen wie sozialen Gesichtspunkten, ist die Materialbeschaffung, erklärt Thomas Becker. Über die Hälfte der im Atelier verarbeiteten Edelmetalle sind recycelte Rohstoffe, alter Schmuck oder Zahngold. Etwa 20 Prozent sind so genannte Identitätsgolde, das ist Waschgold aus europäischen Flüssen, das umweltschonend ohne Chemikalien in kleinen Mengen gewonnen wird. Die restlichen 20 bis 25 Prozent Gold, die im Atelier verarbeitet werden, beziehen Thomas Becker und seine Kollegen aus zertifizierten konfliktfreien Minen aus der Provinz Südkivu im Kongo.

Zertifiziert, kontrolliert und konfliktfrei – für Thomas Beckers Unternehmen bedeutet das, für das Gold dieser Minen den Weltmarktpreis plus 35 Prozent zu bezahlen. Aus dem Plus werden spezielle Werkzeuge und Sicherheitsmaßnahmen bezahlt, die die harte Arbeit erleichtern. Außerdem kompensieren die Mehreinnahmen den Verzicht auf umweltschädigende, gesundheitsgefährdende Chemikalien wie Quecksilber und Cyanid für die Goldgewinnung. Der dritte Teil der Mehreinnahmen geht an die Dorfgemeinschaft, damit nicht nur die Minenarbeiter profitieren, sondern das gesellschaftliche Gefüge in dieser Region nachhaltig stabilisiert wird. In den acht von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ausgewählten, konfliktfreien Minen werden faire Löhne gezahlt, Kinderarbeit ist verboten. Die Minen werden regelmäßig von Menschenrechtsorganisationen kontrolliert. Dazu existiert eine enge Zusammenarbeit zwischen lokalen NGOs wie Comidea und CDJP und dem katholischen Hilfswerk Missio auf deutscher Seite, das sich im Kongo intensiv um Friedensarbeit bemüht. Sie waren es auch, die auf Thomas Becker zukamen, um ihn vom Goldminenprojekt im Kongo zu überzeugen. Zum richtigen Zeitpunkt, wie Thomas Becker berichtet, denn seine frühere Bezugsquelle in Kolumbien wurde systematisch "ausgetrocknet". Die von der indigenen Bevölkerung betriebenen, zertifizierten Minen mussten aufgegeben werden, nachdem die kolumbianischen Behörden für das Minengold aus indigenen Quellen keine Exportgenehmigungen mehr erteilten.

Thomas Becker erklärt, dass in jenen acht kontrollierten Minen im Kongo große Rohstoffvorkommen existierten. Dennoch ist es für viele Unternehmen nicht selbstverständlich, konfliktfreie Mineralien und Edelmetalle zu höheren Preisen einzukaufen.

In Hamburg haben sich dank Thomas Beckers Bemühungen bisher rund 30 Betriebe der Selbstverpflichtung zur Nutzung konfliktfreier Mineralien angeschlossen.

Gemeinsam getragene Unternehmensverantwortung

Auch am Standort in Hamburg finden Thomas Becker und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außergewöhnliche Wege, dem Leitbild "Unternehmensverantwortung" Gestalt zu geben. Hervorzuheben sind die gemeinschaftlichen, gleichberechtigten Meinungsbildungsprozesse, die Thomas Becker methodisch als "Soziokratie" beschreibt. Bei wichtigen Themen und anstehenden Entscheidungen wird jede und jeder um seinen Beitrag gebeten. Ein Raushalten gibt es nicht. Die Kernfrage lautet stets: Gibt es schwerwiegende Einwände im Sinne der gemeinsamen Ziele? Das Prinzip hat sich bewährt: die Unternehmensverantwortung wird gemeinsam getragen - bisher stets zum Erfolg.