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CSR-Politik der EU

Die Strategie der EU zeigt klar: Die positive Entwicklung der europäischen Wirtschaft ist eng mit der Umsetzung von Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung in den europäischen Unternehmen verbunden und muss auch von diesen vorangetrieben werden. Dafür schafft die EU einen gemeinsamen politischen Rahmen und treibt die CSR-Diskussion voran.

CSR-Politik der EU

Ausgehend von der Nachhaltigkeitsdiskussion in den letzten Jahrzehnten des 20 Jhd. (Göteborg 2001) verfolgt die EU seit gut 15 Jahren (Grünbuch CSR) ein klares Ziel: nachhaltige Entwicklung ins Zentrum der Politik und gesellschaftliche Unternehmensverantwortung ins Zentrum jeder Geschäftsstrategie zu rücken.

CSR nützt den Unternehmen und der Gesellschaft

Deutlich wurde dies besonders bei der im Oktober 2011 erschienenen Mitteilung "Eine neue EU-Strategie (2011-14) für die soziale Verantwortung der Unternehmen (CSR)". Die darin enthaltene überarbeitete Definition von gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, kurz CSR) definiert CSR als "die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft".

Damit hatte die EU-Kommission einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Sie revidierte ihr früheres Verständnis, indem sie auf das Element Freiwilligkeit verzichtete und die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft in den Vordergrund stellte. Die EU-KOM suchte damit den Anschluss an das weiterentwickelte CSR-Verständnis anderer internationaler Rahmenwerke wie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den überarbeiteten OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen. Weitere Kernaussagen der EU-CSR-Strategie von 2011 sind:

  • Bei der Entwicklung von CSR sollten Unternehmen weiterhin selbst federführend sein.
  • Behörden sollten aber eine unterstützende Rolle spielen und dabei eine "intelligente Kombination aus freiwilligen Maßnahmen und nötigenfalls ergänzenden Vorschriften einsetzen" (z.B. zur Förderung von Transparenz, Schaffung von Marktanreizen und Sicherstellen von Rechenschaftspflicht von Unternehmen).
  • Unternehmen müssen nötige Flexibilität erhalten, damit sie innovativ sein und ein auf ihr Umfeld abgestimmtes Konzept entwickeln können.

Der intelligente Mix aus Freiwilligkeit und Verbindlichkeit wurde durch die EU-Kommission mit den Richtlinien zur CSR-Berichterstattung und zum europäischen Vergaberecht umgesetzt. Die zentrale Motivation hinter der CSR-Strategie der EU ist die Überzeugung: CSR nützt den Unternehmen. Doch CSR ist ebenso ein Plus für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft, denn es steht für mehr Stabilität, Nachhaltigkeit und Innovation. Den dafür notwendigen Dialog über eine gemeinsame Wertebasis und Ziele fördert die EU unter anderem durch ein von ihr einberufenes Multistakeholderforum, in dem Vertreter der Zivilgesellschaft und Unternehmen diskutieren.

Die Strategie der EU-Kommission hat unter anderem zum Ziel, die Sichtbarkeit von CSR und die Vermittlung von "Good Practices" zu fördern sowie das Vertrauen in die Wirtschaft und die Selbstregulierung von Unternehmen zu verbessern. Als einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel fördert und fordert die EU die Berichterstattung und Offenlegung von CSR-relevanten Informationen.

Mehr Sichtbarkeit für Verantwortung und Nachhaltigkeit

Mit der sogenannten CSR-Berichterstattungsrichtlinie wurden die Umrisse einer verpflichtenden Berichterstattung über nicht-finanzielle Informationen für bestimmte Unternehmen definiert. Betroffen davon sind große Unternehmen von öffentlichem Interesse, z.B. börsennotierte Gesellschaften, Banken und Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Sie sollen in ihren Lageberichten etwa Informationen über ihre Konzepte in Bezug auf die Aspekte Umwelt, soziale und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Diversität in den Leitungs- und Kontrollorganen offenlegen.

Die EU-Kommission verdeutlichte in ihrer CSR-Strategie 2011-2014, dass soziale und ökologische Erwägungen verstärkt in das öffentliche Auftragswesen einfließen sollen. Das reformierte EU-Vergaberecht sieht unter anderem vor, die Vergabe stärker zur Unterstützung strategischer Ziele nutzen zu können, etwa soziale, umweltbezogene und innovative Aspekte zu fördern. Dies kommt auch Unternehmen zugute, die ihrer Verantwortung bis hinein in die Produktions- und Lieferketten nachkommen, und setzt Anreize für Unternehmen, internationale Standards zur Unternehmensverantwortung einzuhalten (z.B. die ILO-Kernarbeitsnormen).

Derzeit überarbeitet die EU-Kommission ihre CSR-Strategie von 2011. Ziel wird es weiterhin sein, die Umsetzung internationaler Prinzipien weiter voranzutreiben, um global vergleichbare Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die Vorreiterrolle der europäischen Unternehmen im nachhaltigen Wirtschaften weiter zu fördern. Deutschland als starke Exportnation hat ein großes Interesse daran, tatkräftig mitzuwirken und die neue CSR-Strategie der EU-Kommission mitzugestalten. Insbesondere ein gemeinsames europäisches Verständnis von unternehmerischer Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette, die Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen sowie die Unterstützung effektiver Beschwerdemechanismen sind dabei grundlegende Anliegen, um international gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen (global level playing field).