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Forum Nachhaltiges Palmöl – Initiative für nachhaltiges, zertifiziertes Palmöl in Deutschland

Palmölpflanze und ein Kanister mit Palmöl.
Quelle:  iStock

Palmöl ist in Alltagsprodukten allgegenwärtig und längst einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe weltweit – es wird in Nahrungsmitteln, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kerzen und anderen Industrieprodukten verwendet. Kaum ein Wirtschaftsbereich kommt umhin, Palmöl zu nutzen, da es sich in seinen Eigenschaften ideal zur industriellen Weiterverarbeitung eignet. Der Palmölanbau ist jedoch mitunter problematisch: Regenwald wird brandgerodet, um neue Anbauflächen zu gewinnen, Kleinbauern werden vertrieben, bedrohte Tierarten wie Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum und Böden werden durch Pestizide belastet.

Multi-Stakeholder-Initiative unter Beteiligung von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und der Bundesregierung

Aufgrund der Vielseitigkeit von Palmöl in unserem Alltag und den schwierigen Anbaubedingungen unterstützt die Bundesregierung die Multi-Stakeholder-Initiative Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP). Das FONAP wurde im Jahr 2013 auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), einiger Unternehmen und des WWF gegründet. Seit 2015 ist das FONAP ein eingetragener Verein, in dem sich derzeit 52 Mitglieder aus palmölverarbeitenden Unternehmen, Verbänden im Bereich Ernährung, Nachhaltigkeit und Zertifizierung, dem BMEL und Nichtregierungsorganisationen engagieren. Alle Mitglieder des FONAP verpflichten sich, ausschließlich zertifiziertes, zu 100 Prozent nachhaltig produziertes Palm- und Palmkernöl in ihren Produkten zu verwenden.

Förderung von zertifiziertem, nachhaltig produziertem Palmöl in Deutschland

Ziel des FONAP ist es, den Anteil nachhaltig zertifizierten Palmöls auf dem deutschsprachigen Markt signifikant zu erhöhen und gleichzeitig die existierenden Standards und Zertifizierungen auszubauen und zu verbessern. Derzeit akzeptiert das FONAP die vier Zertifizierungssysteme Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), International Sustainability and Carbon Certification (ISCC PLUS), Rainforest Alliance (RA) sowie Roundtable of Sustainable Biomaterials (RSB) und versucht diese insbesondere in den Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit in Lieferketten zu verbessern. Die Mitglieder des FONAP streben unter anderem die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette zur Sicherstellung des legalen Palmöl-Anbaus an. Darüber hinaus sprechen sie sich für die Einhaltung von Zusatzkriterien wie beispielsweise den Stopp der Nutzung giftiger Pestizide sowie die Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen aus, die bislang nicht durch die Zertifizierungssysteme abgedeckt werden.

Ökologische und soziale Herausforderungen in der Lieferkette

Laut der Studie "Der Palmölmarkt in Deutschland 2015" des FONAP wurden im Jahr 2015 rund 1,2 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl in Deutschland verbraucht. Klammert man den Energiesektor – hier liegt der Anteil zertifizierten Palmöls aufgrund gesetzlicher Vorschriften bei 100 Prozent – in den Berechnungen aus, beträgt der Anteil von nachhaltigem Palmöl noch immer 47 Prozent. Gleichzeitig sind mit dem Anbau der Ölpalme noch immer einige Herausforderungen verbunden: Da die Ölpalmen ausschließlich in tropischem Klima wachsen, werden für den Anbau oftmals großflächig Regenwälder abgeholzt und durch illegale Brandrodungen Treibhausgasemissionen freigesetzt. Darüber hinaus gehen mit dem Anbau von Palmöl oft Menschenrechtsverletzungen, mangelhafte Arbeitsbedingungen und soziale Ungerechtigkeit einher. Plantagenarbeiter und ihre Familien leben bedingt durch ihre Arbeit häufig selbst auf den Palmölplantagen, sodass den Kindern der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt. Zudem gibt es Fälle, in denen die indigene Bevölkerung von ihren Ländereien vertrieben wird oder Kleinbauern mit Agrarkonzernen vor Ort um Wasser und andere grundlegende Ressourcen konkurrieren müssen. Wie Unternehmen bei der Umsetzung ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht unterstützt werden können, ist daher ein wichtiges Thema für das FONAP und seine Mitglieder.

Neben ordentlichen Mitgliedern können sich Unternehmen, die in der Herstellung, Weiterverarbeitung und dem Handel von Palmöl tätig sind, als sogenannte Supporter (Details dazu siehe www.forumpalmoel.org) des FONAP zur Förderung der nachhaltigen Ölpalmproduktion verpflichten, indem sie den Anteil an zertifiziertem Palmöl jährlich belegbar und ambitioniert erhöhen. Sie unterstützen die Mitglieder bei der Erfüllung der Selbstverpflichtung bei der Rückverfolgbarkeit der Ware, indem sie mit Lieferanten in den Dialog treten und so die Transparenz und Legalität innerhalb der Lieferkette gewährleisten.

Engagement mit Signalwirkung

Das FONAP und seine Mitglieder setzen mit ihrer Initiative und Selbstverpflichtung ein klares Signal an Produktionsländer, Zertifizierungssysteme und die Öffentlichkeit, dass die palmölverbrauchenden Unternehmen in Deutschland ihre Verantwortung in den globalen Lieferketten wahrnehmen und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen in den Anbauländern verbessern wollen.