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Tourismus

Eine Gruppe junger Touristen mit ihren Fahrrädern.

Dass Reisen bildet, ist eine alte Erkenntnis. Reisen war jedoch lange Zeit Luxus, und erst seit einem guten halben Jahrhundert ist es großen Teilen der Bevölkerung Deutschlands möglich, regelmäßig längere Reisen ins Ausland zu machen. Dabei ist der Weg nur noch selten das Ziel, es geht eher um eine Auszeit vom Alltag oder die Begegnung mit dem Unbekannten. Weltweit hat der Tourismus in den vergangenen Jahrzehnten rasant zugenommen und inzwischen kann man an nahezu jeden Ort der Erde reisen. Im grenzüberschreitenden Reiseverkehr werden dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zufolge rund um den Globus mehr als eine Milliarde Ankünfte pro Jahr gezählt. Und bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der international Reisenden noch weiter auf 1,8 Milliarden steigen (UNWTO Tourism Highlights 2016). Damit gilt der Tourismus heute und in Zukunft weltweit als wichtiger Wirtschaftsfaktor, der zu Wachstum und Beschäftigung beiträgt. Allein in Deutschland gibt es laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie derzeit rund 2.500 Reiseveranstalter und knapp 10.000 Reisebüros. Vor diesem Hintergrund wird auch nachhaltiger Tourismus im Einklang mit Natur und Landschaft immer wichtiger.

Reisen mit Rücksicht auf Ressourcen

Im Tourismus gibt es diverse Konzepte, negative ökologische Auswirkungen zu reduzieren. Im Bereich Mobilität existieren zum Beispiel alternative, gemeinschaftliche Mobilitätskonzepte vor Ort, Anreizsysteme für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder die CO₂-Kompensation von Flügen in Form von Zertifikaten für die Wiederaufforstung. Gleichzeitig wird versucht, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, beispielsweise durch Energiesparmaßnahmen und Wasseraufbereitungssysteme in Hotels oder durch Aufklärungsmaßnahmen für die Touristen selbst. In nahezu jedem Hotel wird der Gast heute dazu aufgefordert, seine Handtücher mehrere Tage zu nutzen, so dass Wasser gespart werden kann. Wenn es den Anbietern gelingt, sowohl die Bedürfnisse ihrer Kunden als auch Umweltaspekte zu berücksichtigen, hat dies positive Auswirkungen auf den Umweltschutz sowie die CO₂-Bilanz der Tourismusbranche.

Konkrete Empfehlungen für Umweltschutzmaßnahmen in der Tourismusbranche bietet das Referenzdokument der EU-Kommission über bewährte Praktiken im Umweltmanagement, branchenspezifische einschlägige Indikatoren für die Umweltleistung und Leistungsrichtwerte (ABl. EU Nr. L 104 vom 20.4.2016, S. 27 ff) auf der Grundlage der EU-Verordnung über das freiwillige Umweltmanagementsystem EMAS. Es enthält Tipps zur Entwicklung und Förderung angemessener Tourismuspakete, zu effizienten Verkaufs- und Büroabläufen bis hin zu einer Optimierung der Wassernutzung, des Energiemanagements etc. Die europaweit knapp 400 EMAS-registrierten Unternehmen des Tourismusbereichs sollen ihre Umweltleistung anhand der angegebenen Kennzahlen verbessern. Für alle übrigen Unternehmen handelt es sich um Empfehlungen.

Politik und Tourismuswirtschaft arbeiten gemeinsam an einer nachhaltigen Tourismusentwicklung. Gute Beispiele für die enge Kooperation sind die gemeinsam entwickelten Praxisleitfäden für mehr Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus und der Bundeswettbewerb zur Auszeichnung besonders nachhaltiger Tourismusdestinationen.

Viele deutsche Tourismusunternehmen sind sich ihrer Verantwortung für eine intakte Umwelt bewusst und entwickeln Modellprojekte und Innovationen für nachhaltigeres Reisen. Schließlich ist die Branche selbst auf eine intakte Natur mit sauberen Badegewässern, frischer Luft und Artenvielfalt angewiesen. Der sogenannte "sanfte Tourismus" besetzt – bezogen auf den Umsatz – zwar immer noch eine Nische, nimmt aber ebenso deutlich zu wie Rad- und Wanderreisen, die dem Trend zu einem gesundheitsbewussten Verhalten entsprechen.

Kultureller Austausch zur beidseitigen Bereicherung

Beim Reisen trägt jeder Mensch seine kulturelle Herkunft im Gepäck. Eine touristische Infrastruktur beeinflusst die Gastgeberregion, indem Angebote geschaffen werden, die den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher entsprechen. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und die regionale Wirtschaftskraft wird gestärkt: Weltweit arbeiten fast neun Prozent aller Beschäftigten im Tourismus. Die Einhaltung der allgemeinen Menschenrechte und der ILO-Kernarbeitsnormen ist jedoch noch nicht allerorts selbstverständlich, was die soziale Ungleichheit in manchen Ländern der Erde verschärft. Die Implementierung von CSR-Standards wirkt dem entgegen, ebenso wie die Einbindung der lokalen Bevölkerung in die Gestaltung der touristischen Angebote, die Ausbildung von Fachkräften in den Zielländern und Anti-Korruptions- und Umweltschutzmaßnahmen. Die Kenntnisse über die daraus entstehenden positiven wirtschaftlichen Effekte des Tourismus sind wiederum wichtig für die Akzeptanzsteigerung bei lokaler Bevölkerung und Politik. Auf diese Weise eröffnet nachhaltiger Tourismus neue Chancen für alle Beteiligten.