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Impulse aus der Praxis von Großunternehmen*:

Gemeinsam entwickelte Kriterien geben Orientierung

Mitarbeiter bei einer Besprechung.

Strategische Vorgaben, klare Aufgabenverteilung und deutlich formulierte Ziele kennzeichnen in der Regel das CSR-Management von Großunternehmen - schließlich geht es darum, in vielen komplexen Prozessen Nachhaltigkeit umzusetzen.

So existiert beispielsweise bei Ford in Deutschland für die Produktentwicklung der sogenannte Product Sustainability Index (PSI), der ermittelt und bewertet, ob ein zukünftiges Fahrzeug bessere Werte im Sinne der Nachhaltigkeitsperformance erzielt als sein Vorgänger. Andere Abteilungen arbeiten nach einem anderen bereichsspezifischen Index. Die Nachhaltigkeitskriterien wurden in allen Abteilungen mit einer jeweils eigenen Handschrift entwickelt, jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin konnte sich in diesen Prozess einbringen und arbeitet an der Zielerreichung mit. Durch feste Kontrollgrößen und unabhängige Standards werden die internen Ziele schließlich verglichen und überprüft.

Auch Unilever gibt eine klare Marschrichtung vor, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Ideen und Leben gefüllt wird. Der Unilever Sustainable Living Plan beispielsweise verpflichtet sämtliche Abteilungen dazu, die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungsketten zu verbessern: von der Rohstoffgewinnung bis zum Verbrauch beim Konsumenten. Zur Umsetzung dieser Vorgabe tragen zwanzig Beschäftigte, sogenannte Sustainable Business Champions, aus Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßig Verbesserungsvorschläge aus den verschiedenen Unternehmensbereichen zusammen, um Produkte und Prozesse zunehmend nachhaltig zu gestalten. Die individuellen Ziele und auch die variable Entlohnung vieler Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren sich an der Umsetzung des Unilever Sustainable Living Plans.

Sanitärarmaturen, Spülsysteme und Duschen von Grohe sind seit jeher langlebig konzipiert. In den letzten Jahren arbeitete das Unternehmen zunehmend daran, auch die Ressourceneffizienz der Produkte zu erhöhen, so dass Energie und Wasser bei der Nutzung eingespart werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in so genannten Sustainability Workshops abteilungsbezogen für nachhaltige Themen sensibilisiert und es werden gemeinsam neue Potentiale erarbeitet. Der unternehmensinterne Wettbewerb "Grohe Sustainability Trophy" regt die Beschäftigten zu innovativen Produktentwicklungen an. So wurde zum Beispiel ein Entwicklungslabor ausgezeichnet, dessen Wasserprüfstände so konzipiert sind, dass Wasser mehrmals genutzt wird.

Ressourceneffizienz ist auch ein Stichpunkt beim Flughafen München, dessen Ziel es ist, bis 2020 CO₂-neutral zu wachsen. Künftig soll also bei jeder Erweiterung und jedem Neubau an anderer Stelle so viel CO₂ eingespart werden, dass der Neubau CO₂-neutral gelingt. Dies hat die Flughafen München GmbH beschlossen, nachdem sie 2008 den Prozess zu einer konsequenten Umstellung auf eine nachhaltige Unternehmensführung eingeleitet hat. Das Basisjahr für die Datenerhebung zu Emissionen und Ressourcenverbrauch war 2005. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch Nachhaltigkeitsschulungen in den Prozess eingebunden. Dabei wird besonderer Wert auf die Aufklärung zu den Themen Ökologie, CO₂-Reduktion und Ressourcenschonung gelegt – einschließlich der nachhaltigen Beschaffung.

Eine komplette Konzeptumstellung hat das Unternehmen Frosta 2003 mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit eingeleitet. Das Unternehmen befand sich in einer handfesten Krise, denn die Produkte hoben sich nicht sonderlich vom Wettbewerb ab. Mittels einer konsequent nachhaltigen Neuausrichtung hat Frosta schließlich den Weg hinaus gefunden. Das Tiefkühlkost-Unternehmen hat das gesamte Produktsortiment auf ein selbst entwickeltes Reinheits- und Transparenzgebot umgestellt – und das in aller Konsequenz. 50 Prozent der bisherigen Produkte wurden eingestellt, da sich darin Zutaten befanden, deren Herkunft und Herstellung nicht eindeutig geklärt werden konnte. An dem gesamten Prozess waren diverse Abteilungen des Unternehmens beteiligt: von den Köchen, die die Rezepte entwickeln, über die Produktentwickler und Lebensmitteltechniker bis hin zum Marketing. Alle einte der Wunsch nach ehrlicher Qualität ohne technische Hilfsstoffe und chemische Zusatzstoffe und einer Rückverfolgbarkeit aller Zutaten. Die ersten Jahre nach der Umstellung brachten allerdings noch nicht den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg. Doch das Unternehmen blieb standhaft. Konsequenz hat seinen Preis, aber es hat sich unbedingt gelohnt, versichert Friederike Ahlers, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei Frosta. Das Unternehmen wächst und beschäftigt heute 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Jahr 2000 waren es noch 1000. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden im Arbeitnehmerprogramm Nachhaltigkeit informiert und tauschen sich auch dort über Entwicklungen aus.

Klare Verantwortlichkeiten und die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Ideen bilden bei den für den CSR-Preis der Bundesregierung nominierten Großunternehmen ein tragfähiges Fundament, um Nachhaltigkeit auch in komplexen Strukturen Schritt für Schritt umzusetzen. Neue Anstöße verspricht sich dabei beispielsweise Grohe auch von der Bewerbung um den CSR-Preis: Als Marktführer müssen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln und wollen uns deshalb mit namhaften Unternehmen anderer Branchen in der CSR-Disziplin messen und austauschen, um neue Impulse zu bekommen, sagt Michael Rauterkus, Vorstandsvorsitzender der Grohe AG.

*nominiert für den CSR-Preis der Bundesregierung in der Kategorie ab 1.000 Beschäftigten