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Impulse aus der Praxis von kleinen und mittelständischen Unternehmen*:

Konsequenz zahlt sich aus

Mitarbeiter bei einer Besprechung.

Unternehmen, die nachhaltig handeln, investieren in ihre Zukunftsfähigkeit. Davon ist Lorenz Hansen, geschäftsführender Gesellschafter von Gundlach Bau und Immobilien, überzeugt. Egal, welches Projekt das Familienunternehmen aus Hannover heute plant – die Frage "was ist daran nachhaltig?" wird dabei immer gestellt. Die Anfänge dieser konsequenten Ausrichtung waren jedoch nicht leicht, wie Lorenz Hansen aus den Erzählungen seiner Eltern weiß. Es brauchte viel Aufklärungsarbeit, intern und extern, und hat auch den einen oder anderen Kundenkontakt gekostet. Doch die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zeigt, dass der Weg sich gelohnt hat. In interdisziplinären Teams, die sich aus einem Teil der rund 170 Beschäftigten zusammensetzen, werden die Herausforderungen angegangen. So gibt es etwa das Ökologieteam, in dem rund acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen einmal im Monat zusammenkommen. Das Team entwickelt Ideen, wie wir noch umweltfreundlicher handeln können. Die Vorschläge reichen von abschaltbaren Steckdosen in unseren Büros bis zur Verwendung ökologischer Baustoffe in unseren Projekten, erklärt Lorenz Hansen. Nicht nur bei diesen Treffen merkt Hansen immer wieder, wie wichtig allen Beteiligten das ethische Wertegerüst des Unternehmens ist. "Dass wir nachhaltig aufgestellt sind, ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung". Das beobachtet auch Ralf Elfring, Marketingleiter bei Spaleck in Bocholt. In einer Atmosphäre, die von Vertrauen geprägt ist, bringen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne Ideen ein. Ein aktuelles Beispiel: Spaleck plant derzeit eine Kantine, die für gesunde Verpflegung sorgen soll. Die Anregung dazu kam aus dem Kreis der Beschäftigten. Doch bei Spaleck hat eine konsequent nachhaltige Ausrichtung noch viel mehr erreicht, nämlich die Eröffnung neuer Geschäftsfelder. Als das ursprüngliche Geschäft mit Webblatt-Bindemaschinen kaum noch Zukunftschancen bot, hat Spaleck Anfang der 90er Jahre eine konsequente Wende eingeleitet hin zum "grünen Maschinenbauer". Heute stellt das Unternehmen Produkte zum Nutzen von Mensch und Umwelt her, wie Siebtechnik für Recyclinganlagen.

Als Unternehmer kann ich etwas bewegen – zumindest in meinem Geschäftsfeld und meinem regionalen Umfeld. Das möchte ich nutzen, sagt Detlev Siebold, Gründer und Geschäftsführer von siebold/hamburg messebau. Diesen Antrieb teilt er mit Lutz Frischmann, Geschäftsführer von Frischmann Kunststoffe aus Thüringen. Für beide Unternehmer ist Nachhaltigkeit sehr eng mit sozialem Engagement verbunden, das der Gesellschaft zu Gute kommt. So hat Lutz Frischmann eine Stiftung gegründet, um schwerkranken Kindern zu helfen. Meine ehrenamtliche Arbeit für gesellschaftliche Projekte hat auch nochmal den Blick für die nachhaltige Entwicklung im Unternehmen geschärft, sagt Lutz Frischmann. Er fordert beispielsweise heute frisch gebackene Väter ausdrücklich dazu auf, in Elternzeit zu gehen. Und Detlev Siebold stellt fest, dass auch die Kunden das soziale Engagement seines Unternehmens durchaus positiv wahrnehmen. Eine Herausforderung bleibt aber immer noch die Preissensibilität, wenn es darum geht, wiederverwertbare Materialien beim Messestandbau zu verwenden. Da hilft laut Detlev Siebold nur beharrliche Überzeugungsarbeit, die immer öfter Früchte trägt.

Soziale Fragen der Stadtentwicklung sind bei dem kommunalen Wohnungsunternehmen Stadtsiedlung Heilbronn GmbH schon immer ein wichtiges Thema. Ausgangspunkt für eine umfassendere Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit war die Bestandssanierung etlicher Wohnungen, bei der ökologische Aspekte mit einbezogen wurden, um den Energieverbrauch zu senken und ein gesundes Wohnklima zu schaffen. Die Auseinandersetzung mit alternativen Baustoffen und Fragen rund um die Wohngesundheit haben dazu geführt, dass wir immer tiefer in das Thema Nachhaltigkeit eingestiegen sind, sagt Robert an der Brügge. 2015 mündete die Systematisierung in der Abgabe einer Entsprechenserklärung für den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) – als eines der ersten Unternehmen aus dem wohnungswirtschaftlichen Bereich. Darin legt das Unternehmen umfassend offen, wie es Verantwortung für Mensch und Umwelt übernimmt. Mit dem DNK haben wir jetzt einen Leitfaden, an dem wir uns in allen Bereichen orientieren. Das hilft uns dabei, nachhaltiges Handeln in der Balance zu halten, so Robert an der Brügge. Auch der Bewerbung um den CSR-Preis schreibt er einen Mehrwert zu: Sie verpflichte zur Präzision und lenke den Blick darauf, was bereits erreicht wurde und welche Bereiche sich noch verbessern lassen.

Die Erfahrungen der für den CSR-Preis der Bundesregierung nominierten kleinen und mittleren Unternehmen zeigen, dass der Anstoß zu einer nachhaltigen Ausrichtung aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen kann: sei es die Auseinandersetzung mit den eigenen Produkten, das soziale Engagement für die Gesellschaft oder das Bestreben, die Familienfreundlichkeit im Unternehmen zu erhöhen. Wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht, kommt das Rad wie von selbst ins Rollen, resümiert Detlev Siebold von siebold/hamburg messebau.

*nominiert für den CSR-Preis der Bunderegierung in der Kategorie bis 249 Beschäftigte