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Impulse für ein verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement aus der Unternehmenspraxis*:

Lieferketten nachhaltig und transparent gestalten

Mitarbeiter im Paketversand

Globale Lieferketten sind komplex. Ihre nachhaltige Gestaltung stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Weleda hat sich vor rund 15 Jahren auf den Weg gemacht, diesen Herausforderungen zu begegnen. Wir wussten damals noch nicht, welche Charge Rohstoffe von welchem Produzenten kommt, heute können wir die Herkunft genau nachverfolgen, sagt Bas Schneiders, Head of Strategic Sourcing bei Weleda. Das Unternehmen begann mit einer Inventarisierung seiner Bezugsquellen, baute direkte Lieferketten zu den Produzenten auf und entwickelte schrittweise ökologische und soziale Kriterien für die Rohstoffbeschaffung. Irgendwann war uns klar: Wir brauchen einen übergreifenden Standard, den wir für alle Rohstoffe durchsetzen wollen, erzählt Bas Schneiders. So wurde Weleda 2010 Mitglied bei der Union for Ethical Biotrade (UEBT). Das bringt hohe Anforderungen mit sich und ist in der Umsetzung nicht immer leicht. Doch für uns ist dies der einzig konsequente Weg, sagt Bas Schneiders. Der global anerkannte UEBT-Standard steht für nachhaltige Beschaffung und Nutzung von Rohstoffen. Das heißt konkret, bei der Beschaffung der Rohstoffe auf den Erhalt der Biodiversität zu achten, sie nachhaltig zu nutzen und alle Partner innerhalb der Lieferkette fair zu entlohnen.

Auch Vaude arbeitet heute mit festen Standards, wie dem bluesign®system. Dieses funktioniert wie ein Reinheitsgebot: Es schließt umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus, legt Richtlinien fest und kontrolliert deren Einhaltung für eine umweltfreundliche und sichere Produktion. Darüber hinaus setzt Vaude mit eigenen Schulungen bei den Materiallieferanten an, um Aufklärungsarbeit zu leisten und die Lieferanten auf dem Weg zu verbessertem Umweltschutz zu unterstützen. Das Pilotprojekt wird von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) gefördert. Wenn die Lieferanten Verständnis für die Schadstoffvermeidung und den Umweltschutz entwickeln, dann setzen sie dies auch gründlich um, sagt Lisa Fiedler, CSR und Unternehmensentwicklung bei Vaude. Die teilnehmenden Lieferanten decken etwa 80 Prozent des Vaude-Materialbedarfs ab.

Als die Gepa 1975 an den Start ging, gab es noch keinerlei Standards für den fairen Handel. Mit dem Import von Kaffee aus Guatemala gestartet, machte sich die Gepa auf den Weg, Handelsstrukturen mit Kleinbauerngenossenschaften, Vermarktungsorganisationen und Privatunternehmen aufzubauen. Ihre Arbeit trug wesentlich dazu bei, dass die heute gültigen internationalen Standards des fairen Handels erst entwickelt werden konnten. Hürden gab es dabei zahlreiche zu überwinden, nicht zuletzt, weil der ideelle Ansatz auch betriebswirtschaftlich funktionieren musste. Solidarität allein reicht nicht aus, um Handel zu betreiben und faire Preise zu bezahlen, sagt Pressereferentin Brigitte Frommeyer rückblickend. Es galt Rechnungen aufzustellen und Produkte markttauglich zu machen, so dass sie ihren Absatz finden. Zudem ging es darum herauszufinden, was neben Kaffee bei den Verbrauchern an fairen Produkten gefragt ist. Auf diese Weise hat die Gepa ihren Unternehmenszweck, den fairen Handel, auf viele Produkte ausgeweitet, die Absatzmärkte erhöht und ein umfassendes Netzwerk geschaffen.

Die Rohstoffe für Waschmittel, Farben, Klebstoffe und andere Produkte der chemischen Industrie kommen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt zu den Herstellern. Um besser nachvollziehen zu können, unter welchen Arbeitsbedingungen und mit welchen ökologischen Auswirkungen sie gewonnen und/oder erzeugt werden, setzen Henkel und Akzo Nobel auf eigene sowie branchenübergreifende Standards und Audits als Kontrollinstrumente. Um dabei die Schlagkraft zu erhöhen, nutzen sie auch den Zusammenschluss zu Multistakeholder-Initiativen. Beide Unternehmen sind Mitglieder der Initiative der chemischen Industrie "Together for Sustainability". Kern der Initiative ist der Gedanke "Ein Audit für einen ist ein Audit für alle". Das heißt: Die Lieferanten müssen nur ein Audit absolvieren, das von einem unabhängigen Experten durchgeführt wird. Über eine Plattform im Internet werden die Ergebnisse dann für alle Mitglieder veröffentlicht und anerkannt. So können alle auf die unabhängige Bewertung zurückgreifen und wissen somit genau, welche Lieferanten in Aspekten des Umweltschutzes, der Ressourceneffizienz, der Sicherheit und Beschäftigung verlässlich arbeiten. Petra Lehmann, Sustainable Sourcing Managerin bei Akzo Nobel, betont, dass es nicht darum geht, Lieferanten nach einer schlechten Bewertung auszuschließen. Vielmehr wird versucht, Nachbesserungen zu unterstützen, eigenes Know-how weiterzugeben und beispielsweise die Einführung von Umweltstandards durchzusetzen. Die Mitglieder der Initiative sind in aufgabenorientierten Workteams organisiert, was regelmäßigen Austausch und Fortschritte fördert.

Bei der komplexen Herausforderung, globale Wertschöpfungsketten zunehmend nachhaltig zu gestalten, helfen branchenübergreifende Standards ebenso wie Zusammenschlüsse in Multistakeholder-Initiativen. Davon sind alle für den CSR-Preis der Bundesregierung in der Sonderkategorie "Lieferkettenmanagement" nominierten Unternehmen überzeugt. Denn Standards geben Orientierung und bieten Umsetzungs- und Kontrollmechanismen, Multistakeholder-Initiativen erhöhen die Schlagkraft und schaffen Synergien.

*von Unternehmen, die für den CSR-Preis der Bundesregierung in der Sonderkategorie "Lieferkettenmanagement" nominiert sind