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Impulse aus der Praxis von mittelgroßen Unternehmen*:

Einbindung fördert Innovationskraft

Mitarbeiter in Produktionshalle.

Nachhaltigkeit kann auf sehr unterschiedlichen Wegen Einzug in die Unternehmensstrategie halten. So gibt es in vielen mittelgroßen Unternehmen keinen Startknopf, der irgendwann bewusst gedrückt wurde, um das Geschäftsmodell nachhaltig auszurichten. Vielmehr, so berichtet beispielsweise Nicole Trettner, Prokuristin bei Hering aus Burbach, ist die systematische Auseinandersetzung mit dem Thema aus der Tradition des Unternehmens heraus gewachsen. Sämtliche Maßnahmen im Bereich Mitarbeiter etwa haben ihren Ursprung darin, dass Mitarbeiterzufriedenheit der Familie Hering seit jeher am Herzen liegt. Gepaart mit dem Anliegen, Umweltbewusstsein in der Baubranche nicht außer Acht zu lassen, hat Hering nachhaltiges Handeln auf immer mehr Bereiche ausgeweitet, vor allem auch auf die Produkte. Das Unternehmen entwickelt, produziert, installiert und wartet Spezialprodukte für den Bau. Gesteuert werden sämtliche CSR-Aktivitäten durch die Unternehmensleitung, auf operativer Ebene gibt es Arbeitskreise, zum Beispiel zum Umweltmanagement. Die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Prozess treibt das Thema Nachhaltigkeit voran, bringt neue Ideen und Impulse und ganz nebenbei fördert es den Zusammenhalt im Unternehmen, sagt Nicole Trettner.

Auch Henning Rodekohr knüpft mit der nachhaltigen Ausrichtung von Vilsa-Brunnen an die Familientradition an. Verankert bei der Geschäftsführung, wird das Nachhaltigkeitsmanagement auf Bereichsleiterebene gefördert. Die Bereichsleiter tragen die Ziele in die Abteilungen hinein, so dass alle ihre Tätigkeitsfelder im Hinblick auf Nachhaltigkeit überprüfen. Dazu zählt beispielsweise der Personalbereich ebenso wie die Getränkeabfüllung. Nachhaltigkeit bedeutet zwar eine 360 Grad-Perspektive einzunehmen, doch fängt die schon bei Kleinigkeiten an, wie zum Beispiel der Gestaltung angenehmer Mitarbeiterräume und reicht bis zur Kundenansprache, sagt Henning Rodekohr.

Bei Vaude in Tettnang hat Antje von Dewitz, Tochter des Unternehmensgründers, die Geschäftsleitung mit dem Ziel angetreten, dass Vaude Europas nachhaltigste Outdoormarke werden soll. Dieses Ziel hat das Unternehmen bereits erreicht. Und die Wachstumszahlen zeigen, dass die zunehmend nachhaltige Sortimentsgestaltung auch beim Kunden ankommt. Mittlerweile können wir zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur machbar und sinnvoll ist, sondern auch ökonomisch erfolgreich und voller Innovationskraft, sagt Antje von Dewitz. Durch die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dem Prozess konnten anfängliche Zweifel im Unternehmen abgebaut und Motivation aufgebaut werden. Entsprechend gibt es bei Vaude keine losgelöste Nachhaltigkeitsabteilung, sondern ein Nachhaltigkeitsteam aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der einzelnen Fachabteilungen. Vor allem die Komplexität der Lieferketten und fehlende branchenweite Bewertungssysteme stellten Vaude zu Beginn des Prozesses vor große Herausforderungen. Das Unternehmen entwickelte ein eigenes Bewertungssystem und schloss sich 2010 der Multistakeholder-Initiative "Fair Wear Foundation" an, sie verifiziert die Einhaltung sozialer Standards bei der Konfektionierung von Kleidung.

Bei Rapunzel Naturkost und der GLS Bank ist die Gründungsidee per se nachhaltig. Beide Unternehmen sind mit einem ökologisch-ethischen Geschäftsmodell angetreten und leben dies intern sowie gegenüber Kunden und Geschäftspartnern. Für Joseph Wilhelm, Geschäftsführer von Rapunzel, bedeutet das, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Thema Nachhaltigkeit mit einzubeziehen. Das sei zwar aufwendig, aber halte den Prozess lebendig. Dem Einzelnen bringe dieses Vorgehen mehr Zufriedenheit und Erfolgserlebnisse. So arbeiten an der Umsetzung und Weiterentwicklung des eigenen Fair-Trade-Programms "Hand in Hand" beispielsweise mehrere Abteilungen mit, vom Einkauf bis zum Marketing, und bringen dabei ihre spezielle Sichtweise ein. Als erste Bank, die komplett für Nachhaltigkeit steht, haben alle Beschäftigten der GLS Bank anfänglich vor allem Pionierarbeit leisten müssen. Von manchen als "Sandalenbanker" belächelt, haben sie unter Beweis gestellt, dass Mut und Weitsicht neue Wege eröffnen kann. Den hat die GLS Bank beispielsweise aufgebracht, als sie in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl einen Windradfonds aufgelegt haben.

In einem sind sich alle fünf Nominierten des CSR-Preises der Bundesregierung einig: Die Auseinandersetzung mit dem Fragebogen im Rahmen der Bewerbung für den CSR-Preis hat noch einmal die Bewusstseinsbildung vorangetrieben und für einzelne Punkte im Bereich Nachhaltigkeit sensibilisiert. Für uns war die Bearbeitung des Fragebogens wie ein internes Audit, das einen zur kritischen Prüfung und Festlegung zwingt und das motiviert, verantwortliches Handeln weiter zu manifestieren, resümiert Nicole Trettner von Hering.

*nominiert für den CSR-Preis der Bundesregierung in der der Kategorie 250 bis 999 Beschäftigte