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Lieferketten fair und umweltgerecht gestalten

Lieferketten fair und umweltgerecht gestalten

Unter welchen Arbeitsbedingungen und mit welchen Auswirkungen auf die Umwelt werden Rohstoffe gewonnen, Produkte hergestellt und in den Verkauf gebracht? Diese Frage stellen Verbraucher heute immer häufiger. Auch kritische Investoren, einkaufende Unternehmen und potenzielle Nachwuchskräfte wollen von Unternehmen wissen, wie nachhaltig ihre Lieferketten gestaltet sind ob sie ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht im Sinne der VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und dem Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) nachkommen.

Dabei läuft eine nachhaltige Gestaltung der Lieferkette dem Ziel "Profitabilität" keineswegs entgegen, wie viele auf den ersten Blick vielleicht vermuten. Vielmehr können Unternehmen, deren Lieferketten auf ethischen und ökologischen Prinzipien basieren, daraus Wettbewerbsvorteile erzielen: Durch eine verantwortungsvolle Ressourcengewinnung und -Produktion können Rohstoffrisiken vermieden und eine verlässliche Versorgung durch Lieferanten sichergestellt werden. Zudem können Unternehmen die Reputation, die Arbeitgeberattraktivität und schließlich auch den Umsatz durch verantwortungsbewusste Beschaffung steigern.

Wichtig ist es, zu allererst die Lieferkette genau unter die Lupe zu nehmen - sowohl hinsichtlich ökologischer Aspekte als auch hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, vor allem bei der Produktion in Schwellen- und Entwicklungsländern. Auf dieser Basis können Unternehmen dann Ziele formulieren und Schritt für Schritt umsetzen.

Unterstützung bieten dabei Beschaffungsstandards, wie der "Social Accountability" (SA8000). Er wurde auf Grundlage der internationalen Menschenrechtskonvention und den Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation IAO (International Labour Organization ILO) entwickelt. Als international verbreitete Zertifizierungsnorm beinhaltet er wichtige Grundsätze, unter anderem das Verbot von Kinderarbeit und Diskriminierung, Mindeststandards im Gesundheitsschutz oder die Gewährung der Vereinigungsfreiheit.

Wussten Sie schon, dass …

  • auch die öffentliche Beschaffung nachhaltiger wird? Die Bundesregierung hat das deutsche Vergaberecht anlässlich des neuen gemeinschaftsweiten EU-Vergaberechts modernisiert. Es sieht vor, die Vergabe stärker zur Unterstützung strategischer Ziele nutzen zu können, etwa soziale, umweltbezogene und innovative Aspekte zu fördern. Dies kommt auch Unternehmen zugute, die ihrer Verantwortung bis hinein in die Produktions- und Lieferketten nachkommen, und setzt Anreize für Unternehmen, internationale Standards zur Unternehmensverantwortung einzuhalten (z.B. die ILO-Kernarbeitsnormen).
  • Kunden und Gesetzgebung die wichtigsten Treiber bei der Umstellung ILO-Kernarbeitsnormender Lieferkette sind? Eine Studie der Leuphana-Universität zeigt: Nach Einschätzung der befragten MDAX-Unternehmen werden in Zukunft vor allem Kunden/Endverbraucher (82 %) sowie die nationale und internationale Gesetzgebung (76 %) den Einbezug von sozialen und ökologischen Themen in Einkauf und im Lieferkettenmanagement fordern. Als weitere Treiber gelten Aktionäre, Behörden sowie die Medien.

Das können Sie konkret tun

  • Machen Sie sich mit den Anforderungen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) vertraut und beginnen Sie, die Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht in Ihr Lieferkettenmanagement zu integrieren.
  • Analysieren Sie Ihre Lieferkette, um die tatsächlichen sozialen und ökologischen Auswirkungen bestimmen zu können.
  • Darauf aufbauend geht es darum, ökologische und soziale Ziele zu setzen und Maßnahmen festzulegen. Begeistern Sie in dieser Phase Ihre Partner und Lieferanten von Ihrer Idee der nachhaltigen Beschaffungsstrategie und binden Sie sie frühzeitig mit ein.
  • Entwickeln Sie einen Verhaltenskodex für Lieferanten als festen Bestandteil aller Einkaufsverträge. Mit der Vertragsunterzeichnung verpflichten sich damit alle Zulieferer auf verbindliche Richtlinien bei der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards in den Produktionsstätten. Grundlage für den Kodex können die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN sowie des "Social Accountability" (SA8000) sein.
  • Schulen Sie Ihre Lieferanten zu dem Kodex, so dass Sie sie für die Einhaltung der Standards sensibilisieren.
  • Prüfen Sie die Einhaltung des Kodex regelmäßig durch externe Audits unabhängiger Organisationen.
  • Schließen sie sich bei der Durchführung der Audits einer Initiative an, so übernehmen Sie gemeinsam einheitliche Vorgaben und können den Datenaustausch vereinfachen. Einen Überblick über verschiedene Initiativen finden Sie in folgender Broschüre von econsense.
  • Arbeiten Sie daran, dass Ihr Verhaltenskodex auch für die Zulieferer Ihrer Zulieferer gilt.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Zusammenarbeit mit wenigen, ausgewählten Produktionsbetrieben. Das erhöht die Transparenz und ermöglicht es, gemeinsam Verbesserungen in den Sozial-, Umwelt- und Qualitätsstandards zu erzielen. Auf diese Weise stärken Sie auch die Wettbewerbsfähigkeit, indem langfristig Kapazitäten sichergestellt und ein hohes Qualitätsniveau garantiert werden können.
  • Bewirken Sie innerhalb des Unternehmens und bei den Zulieferern, dass bei Beschaffung und Produktion nicht mehr nur die Kostensenkung im Vordergrund steht.
  • Arbeiten Sie mit anderen Akteuren in Multi-Stakeholder-Organisationen zusammen, um branchenweite und branchenübergreifende Verbesserungen zu erzielen.
  • Für öffentliche Auftraggeber gibt es Unterstützung bei der "Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung" (KNB). Sie bietet eintägige Schulungen zu dem Thema an und stellt auf ihrer Homepage wichtige Informationen bereit.