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Der Grüne Knopf – Das staatliche Textilsiegel

Logo des Grünen Knopfs
Quelle:  Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Weltweit arbeiten mehr als 60 Millionen Menschen, um unsere Kleidung herzustellen, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In vielen Produktionsländern gibt es noch immer 16-Stunden-Arbeitstage, Löhne, die kaum zum Leben reichen, Kündigung bei Schwangerschaft oder Krankheit, Verschmutzung von Luft und Wasser.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind oft ungenügend, was 2013 mit dem Einsturz der maroden Rana Plaza- Textilfabrik in Bangladesch mehr als deutlich wurde. Damals starben über 1.000 Näherinnen. Eine solche Tragödie darf sich nicht wiederholen.

Damit Verbraucher*innen bewusst nachhaltige Kleidung kaufen können hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein staatliches Textilsiegel eingeführt: den Grünen Knopf. Der Grüne Knopf zeichnet Textilien wie Kleidung, Bettwäsche oder Rucksäcke aus, die nach besonders anspruchsvollen Sozial- und Umweltstandards hergestellt wurden.

Warum wird der Grüne Knopf eingeführt?

Drei Viertel der Verbraucher*innen ist nachhaltige Mode wichtig1. Sie wollen kein T-Shirt tragen, das von Kindern genäht oder mit giftigen Chemikalien gefärbt wurde.

Der Grüne Knopf schafft hier Klarheit und Vertrauen. Er ist das staatliche Siegel für sozial und ökologisch hergestellte Textilien. Der Staat legt die Bedingungen und Kriterien fest. Unabhängige, anerkannte Prüfer*innen kontrollieren die Einhaltung. Das alles schafft Vertrauen für die Verbraucher*innen.

Wo wird der Grüne Knopf in der Kleidung zu finden sein?

Der Grüne Knopf wird gut sichtbar - als Symbol - angebracht: am Etikett, direkt auf dem Produkt oder auf der Verpackung.

Gibt es nicht schon Siegel für fairen Einkauf?

Genau das ist das Problem. Bei den unterschiedlichen Siegeln blicken viele nicht mehr durch. Einige Siegel konzentrieren sich auf faire Arbeitsbedingungen, andere auf strenge Umweltstandards. Der Grüne Knopf schafft Orientierung. Die geprüften Textilien werden sozial und ökologisch hergestellt - nach besten Standards.

So müssen die Produkte wie T-Shirts oder Bettwäsche hohe Umwelt- und Sozialkriterien erfüllen. Zusätzlich wird das gesamte Unternehmen überprüft. Gibt es Beschwerdemöglichkeiten für die Näherinnen vor Ort? Legt es Risiken in seiner Lieferkette offen? Schafft es Missstände ab? Das ist das Besondere am Grünen Knopf. Einzelne Vorzeigeprodukte reichen alleine nicht aus. Das gesamte Unternehmen muss sich zu Nachhaltigkeit verpflichten.

Welche Kriterien müssen Textilien erfüllen, um den Grünen Knopf zu erhalten?

Insgesamt müssen 46 anspruchsvolle Sozial- und Umweltkriterien erfüllt werden – von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Auch Mindestlöhne und das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit gehören dazu.

Wie wird der Grüne Knopf geprüft?

Unabhängige Prüfer kontrollieren die Einhaltung der Standards. Wenn notwendig, überprüfen sie auch die Produktionsstätten vor Ort, etwa in Bangladesch oder Rumänien. Die unabhängige, staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht als „Prüfer der Prüfer“ die Kontrollen. Alle Kriterien sind auf www.gruener-knopf.de veröffentlicht.

Sind Kleidungsstücke mit dem Grünen Knopf teurer?

Fair muss nicht teuer sein. Die Herstellung macht nur einen geringen Anteil am Verkaufspreis aus. Eine Jeans wird beispielsweise in Bangladesch für ca. fünf Euro eingekauft. Der Verkaufspreis liegt in Deutschland bei 25, 50 oder 100 Euro. Die Näherin in Äthiopien verdient nur 18 Cent die Stunde. Im ersten Schritt wäre eine Verdopplung der Stundenlöhne nötig. Die Produktion der Jeans würde sich dadurch lediglich um einen Euro verteuern – von fünf auf sechs Euro.

Wird die gesamte Produktionskette von Textilien geprüft?

Der Grüne Knopf umfasst zu Beginn noch nicht die gesamte Lieferkette. Zum Start prüft er die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind hier besonders groß. In den kommenden Jahren wird der Grüne Knopf auf die Arbeitsschritte „Weben und Spinnen“ ausgeweitet und danach auf den Produktionsschritt „Faserproduktion / Baumwollanbau“.

Wann gibt es den Grünen Knopf im Laden?

Verbraucher*innen können ab sofort Produkte mit dem Grünen Knopf kaufen. Zunächst vor allem in den Online-Shops der Unternehmen, die mitmachen, bevor sie nach und nach auch im Laden zu kaufen sein werden.

1. Quelle: Boston Consulting Group: The Pulse of the Fashion Industry 2019 Update