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Unternehmerische Sorgfaltspflicht

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Nationaler Aktionsplan gegen Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit (NAP A/Z)

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Über den NAP A/Z

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„Wir orientieren uns nicht an Quartalen, sondern in Generationen"

Felix Jahn, Head of Corporate Social Responsibility bei Ralf Bohle GmbH – Schwalbe.

Ralf Bohle GmbH – Schwalbe

Langfristiges Denken statt Quartalsdruck: Der Reifenhersteller Ralf Bohle GmbH – Schwalbe zeigt, wie ein Familienunternehmen faire Lieferketten aufbaut. Im Interview erfahren Sie, wie Kleinbäuer*innen in Indonesien dadurch 50 bis 100 Prozent mehr verdienen – und warum sich Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor auszahlt.

Wie kann ein Reifenhersteller die Lebensbedingungen von Kleinbäuer*innen nachhaltig verbessern? Die Ralf Bohle GmbH – Schwalbe zeigt einen praktikablen Weg. Das Familienunternehmen zahlt für jedes Kilogramm Naturkautschuk eine Fair-Trade-Prämie von 0,50 Euro zusätzlich zum Weltmarktpreis. Kleinbäuer*innen in Indonesien verdienen dadurch 50 bis 100 Prozent mehr. Für dieses Engagement hat das Unternehmen den CSR-Preis 2025 erhalten. Im Interview erklärt Felix Jahn, Head of Corporate Social Responsibility bei Schwalbe, wie das Unternehmen diese faire Lieferkette aufgebaut hat und welche Erfolge es damit erzielt.

BMAS: Sie haben eine faire Lieferkette für Naturkautschuk aufgebaut. Wie verbessern Sie die Arbeits- und Lebensbedingungen für Ihre Produzent*innen?

Schwalbe: Wir setzen direkt am Kernproblem an. Der Weltmarktpreis für Naturkautschuk ist chronisch zu niedrig und schwankt stark. Die Menschen am Anfang der Lieferkette, insbesondere Kleinbäuer*innen in Indonesien, die meist weniger als vier Hektar Land bewirtschaften, haben dadurch ein unsicheres Einkommen und bleiben stark abhängig.

Gemeinsam mit dem Fair Rubber e.V., einer NGO, die sich für fairen Handel mit Naturkautschuk einsetzt, haben wir deshalb auf Java und Sumatra Kooperativen aufgebaut. Die Produzent*innen können dadurch freier handeln. Über diese Kooperativen zahlen wir für jedes Kilogramm Naturkautschuk eine Fair-Trade-Prämie von 0,50 Euro zusätzlich. Die Bäuer*innen verdienen dadurch je nach Region 50 bis 100 Prozent mehr.

Das Entscheidende: Die Menschen vor Ort entscheiden selbst, wie sie diese Mittel einsetzen. So investieren sie dort, wo es wirkt – etwa in Infrastruktur, Bildung oder Gesundheitsversorgung.

BMAS: Wie haben Sie CSR in Ihrer Geschäftsstrategie verankert?

Schwalbe: Als Familienunternehmen haben wir das Privileg, langfristig zu denken und zu investieren. Wir orientieren uns nicht an Quartalen, sondern in Generationen. Deshalb verstehen wir CSR ganzheitlich.

Wir haben unsere Strategie auf vier Säulen aufgebaut: Produkt, Unternehmen, Lieferkette und Soziales. Unser soziales Engagement reicht von der Förderung unserer Mitarbeiter*innen bis hin zu gesellschaftlichen Initiativen wie dem Kinderbeirat. Dort entscheiden Kinder unserer Mitarbeiter*innen zwei Mal im Jahr, welche Hilfsprojekte unser Unternehmen mit 10.000 Euro fördert. Als wir unsere eigene Schwalbe Stiftung für Mobilitätsgerechtigkeit gegründet haben, erreichte unser Engagement einen Meilenstein.

BMAS: An welchen Nachhaltigkeitsstandards orientieren Sie sich?

Schwalbe: Seit 2022 berichten wir nach den GRI-Standards. So machen wir unsere Nachhaltigkeitsleistung transparent und vergleichbar. Wir erfassen systematisch Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, arbeiten eng mit unseren Partner*innen und Lieferant*innen zusammen und überprüfen unsere Fortschritte regelmäßig.

BMAS: Als mittelständisches Unternehmen verfügen Sie über begrenzte Ressourcen. Wie setzen Sie Nachhaltigkeit trotzdem um?

Schwalbe: Gerade weil wir mittelständisch sind, gehen wir fokussiert vor. Wir setzen klare Prioritäten und packen die Themen an, die am meisten bewirken. Dabei hilft uns unsere schlanke Struktur: Wir treffen Entscheidungen schnell und tragen sie langfristig – ohne den Druck kurzfristiger Quartalszahlen. So gehen wir Schritt für Schritt vor, gemeinsam mit Partner*innen und im engen Austausch mit unseren Lieferant*innen.

BMAS: Welche Stakeholdergruppen beziehen Sie aktiv ein?

Schwalbe: Unsere CSR-Arbeit lebt davon, dass wir uns mit unterschiedlichen Stakeholdergruppen austauschen. Mitarbeiter*innen sind dabei zentral und gestalten unsere Nachhaltigkeitsprojekte aktiv mit – etwa über interne Workshops oder den Kinderbeirat.

Lieferant*innen beziehen wir über Code of Conducts, Selbstauskünfte, Audits und Partner wie Fair Rubber ein. Echte Veränderungen in der Lieferkette gelingen nur, wenn wir zusammenarbeiten. Auch unsere Kund*innen spielen eine wichtige Rolle: Sie nehmen an unserem Reifenrecycling teil und werden so aktiv Teil der Kreislaufwirtschaft.

Darüber hinaus tauschen wir uns eng mit NGOs und der Wissenschaft aus. Alle diese Stakeholdergruppen beziehen wir aktiv in unsere Wesentlichkeitsanalyse ein. Sie bildet das Fundament für die strategische Ausrichtung unserer CSR-Arbeit.

Kleinbäuer*innen in Indonesien bei der Kautschukernte: Durch Fair-Trade-Prämien verdienen sie 50 bis 100 Prozent mehr als beim reinen Weltmarktpreis.

Ralf Bohle GmbH – Schwalbe

BMAS: Welche konkreten Erfolge haben Sie durch Ihre CSR-Aktivitäten erreicht?

Schwalbe: Heute erzielen wir rund 85 Prozent unseres Umsatzes mit umweltfreundlichen Produkten – Tendenz steigend. Ein Symbol für diesen Erfolg ist unser Green Marathon, der Pionier unter den umweltfreundlichen Reifen und gleichzeitig einer unserer Bestseller.

Auch unser Reifenrecycling zeigt Erfolg: In Deutschland nehmen inzwischen über 1.800 Fachhändler am System teil. Wir haben mehr als 1,8 Millionen Reifen recycelt. Das schützt das Klima und bindet Kund*innen.

Darüber hinaus macht uns unser Engagement attraktiver als Arbeitgeber. In Bewerbungsgesprächen hören wir immer wieder: Nachhaltigkeit war für viele Bewerber*innen das entscheidende Argument, Teil von Schwalbe zu werden.

BMAS: Was empfehlen Sie anderen Unternehmen?

Schwalbe: Denken Sie Nachhaltigkeit ganzheitlich und unabhängig von Konjunkturen. Entscheidend ist, dass Sie anfangen – mit klaren Prioritäten, partnerschaftlichem Vorgehen und fest verankert in der Unternehmensstrategie. Wer konsequent bleibt und dranbleibt, schafft echten Wandel und macht Nachhaltigkeit zum Erfolgsfaktor.

Wir danken der Ralf Bohle GmbH – Schwalbe für das Gespräch und die wertvollen Einblicke in erfolgreiches CSR-Management als Familienunternehmen.

Mehr Informationen zu wirksamen und auszeichnungswürdigen Weiterbildungsmöglichkeiten finden Sie unter CSR-Preis 2025