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Was können Unternehmen für den Klimaschutz tun? Fünf Best Practice-Beispiele mit Potential für die Zukunft

2. Dezember 2019

Eine Hand hält eine Glühbirne Richtung Sonne.
Quelle:  iStock

Wenn diese Woche die UN-Klimakonferenz in Madrid beginnt, wird es um die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 gehen. Damals hatte sich die Weltgemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte jedoch nicht nur das private Verhalten überdacht werden; vor allem die Wirtschaft muss ihre Wertschöpfungsketten, Dienstleistungen und Transportwege verändern.

Doch was können Unternehmen konkret tun, um ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern und welche Maßnahmen haben sie bereits ergriffen? Die "Klimaschutz-Unternehmen", ein Netzwerk deutscher Firmen, die sich für Energieeffizienz und Klimaschutz einsetzen, haben inspirierende Strategien und Praktiken in fünf Kategorien unterteilt und in einer Broschüre zusammengestellt. Wir stellen für jede Kategorie ein innovatives Beispiel vor; die komplette Publikation "Best-Practices 2019: Stellschrauben. Wie man den Klimawandel drehen kann." finden Sie hier: www.klimaschutz-unternehmen.de

Erneuerbare Energien

Mit Mikroben für die Energiewende – das Beispiel Viessmann.

Bis 2050 möchte Deutschland weitgehend treibhausgasneutral werden; spätestens dann muss die komplette Stromversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt sein. Bislang hat regenerativ erzeugter Strom allerdings ein großes Manko: Zwar ist er in großen Mengen verfügbar; er lässt sich aber nicht ohne Weiteres speichern.

Eine Technik, die das Problem lösen und so einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten könnte, ist die biologische Methanisierung beziehungsweise das "Power-to-Gas"-Verfahren. Dabei wird überschüssiger Strom mit Hilfe der Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Danach wird synthetisches Methan erzeugt.

Für diesen Schritt, die sogenannte biologische Methanisierung, hat das Viessmann-Tochterunternehmen MicrobEnergy einen eigenen Ansatz entwickelt: hochspezialisierte Mikroorganismen, die Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid in reines Methan umwandeln. Der Vorteil: Das so gewonnene synthetische Methan ist äußerst flexibel: Es kann entweder in einem Gasspeicher bevorratet und bedarfsgerecht mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes verstromt werden; oder es wird direkt in das Erdgasnetz eingespeist. Somit funktioniert es auch problemlos als Energieträger für PKWs. Diese Verknüpfung von Strom- und Erdgasnetzen ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Und als "Nebenprodukt" spart der Heizgerätehersteller mit der Anlage noch jede Menge Kohlendioxid ein, nämlich laut eigenen Angaben 89,65 kg CO2-Äquivalente pro Gigajoule Gas.

Energie- und Ressourceneffizienz

Müllvermeidung durch Mehrwegkisten - das Beispiel Aldi Süd.

Bei einem Discounter wie Aldi Süd muss täglich viel Obst und Gemüse transportiert werden; seit 2010 setzt das Unternehmen dabei auf wiederverwendbare Kunststoffkisten. Bei der Mehrwegtransportverpackung (MTV), die Aldi Süd gemeinsam mit einem Dienstleister betreibt, handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf: Leere und saubere Mehrwegkisten werden europaweit den Lieferanten zugestellt. Die Lieferanten bringen die befüllten Kisten zu den Aldi Süd Logistikzentren. Von dort aus werden die Transportverpackungen an die Filialen geschickt. Die Filialen geben die verwendeten, aber leeren Kisten an das jeweilige Logistikzentrum zurück. Dort werden sie gesammelt und schließlich zur Reinigung gebracht. Defekte Mehrwegkisten werden repariert oder zu Regenerat verarbeitet – daraus können dann wieder neue Verpackungen entstehen.

In einer Ökobilanzstudie hat das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik festgestellt, dass Aldi Süd durch die Mehrwegkisten allein im Jahr 2017 mehr als 60 Millionen Pappkartons eingespart hat und damit rein rechnerisch auch rund 24 000 Tonnen CO2-Äquivalente. Laut Broschüre der "Klimaschutz-Unternehmen" wurden zudem 32% der 2017 nachproduzierten MTVs aus nicht mehr funktionsfähigen MTVs recycelt. Insgesamt habe Aldi Süd seit Projektbeginn sogar bereits mehr als 400 Mio. Pappkartons einsgespart; und das Unternehmen plant, künftig noch mehr der Mehrwegverpackungen einzusetzen, um die Zahl von Einwegkartonagen weiter zu reduzieren.

Nachhaltigkeitsmanagement

Mit Design für mehr Klimaschutz – das Beispiel Creativhotel Luise.

Wie ganzheitlich Nachhaltigkeit gelebt werden kann, beweist das Creativhotel Luise in Erlangen: Während die Tourismusbranche mit Miniatur-Shampoos oder einzeln verpackten Butterstücken oftmals viel Plastikmüll produziert, hat sich das Hotel Luise dem Umweltschutz verschrieben, und zwar bis ins kleinste Detail. So bezieht es laut Website nicht nur Ökostrom, verwendet ausschließlich regionale Lebensmittel oder hat ein eigenes Elektroauto inklusive Ladestation auf dem Hof; der Anspruch reicht weiter: um das nicht vermeidbare, eigene CO2 kompensieren zu können, unterstützt das Hotel mit anderen Klimahotels beispielsweise ein eigenes Aufforstungsprojekt in Panama.

Besonderes Highlight aber ist das "nachwachsende" Hotelzimmer: Bei der Materialauswahl achtete das Hotel konsequent auf verantwortungsbewusste Herstellungsverfahren und Umweltverträglichkeit. So wurde die Dusche ursprünglich für die Mars-Mission der NASA entwickelt und spart laut eigenen Angaben 90% Wasser und 80% Energie ein. Holzschonende Decken aus Stroh verzichten auf formaldehydhaltigen Kleber. Der zu 100% wiederverwertbare Teppich besteht aus schalldämmenden Fischernetzen. Zudem wurde Metall durch Holz ersetzt; und statt Schrauben kommen lieber Steckverbindungen und umweltschonender Kleber zum Einsatz.

Ein Engagement, das sich laut Broschüre der "Klimaschutz-Unternehmen" auch in Zahlen niederschlägt: Wer im klimapositiven Hotel übernachtet, produziert demnach 58 % weniger CO2 pro Nacht. Außerdem werden pro Gast etwa 35 % Wasser eingespart und es fallen circa 90 % weniger Abfall an. Alle Angaben beziehen sich auf das gesamte Hotel.

Mitarbeiter*innen

Energie-Scouts und ihre Erfolgsgeschichte – das Beispiel VP Group

Wie schafft man es, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit nicht nur in der Unternehmensphilosophie zu verankern, sondern auch in den Köpfen der eigenen Mitarbeiter*innen? Zum Beispiel, indem man die Belegschaft frühzeitig für Umweltaspekte sensibilisiert. Beim Verpackungsspezialisten VP Group etwa lernen Auszubildende, energetische Schwachstellen im Unternehmen aufzuspüren.

Im Rahmen einer IHK-Zusatzausbildung üben die "Energiescouts" mit Messgeräten umzugehen und erarbeiten konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie einen schonenden Umgang mit Ressourcen.

Nach firmeneigenen Angaben kann die VP Group durch das Projekt etwa 340.000 Kilowattstunden Energie pro Jahr einsparen. Damit ist die Initiative quasi eine Win-Win-Win-Situation, denn sie sorgt gleich für drei positive Effekte: die Umwelt profitiert; und auch das Unternehmen konnte durch die Energieeinsparung die Kosten im Unternehmen senken. Nicht zuletzt hilft sie aber auch den Azubis: Selbstständig ein Projekt durchzuführen schult nicht nur Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein, sondern auch wichtige, berufliche Kompetenzen in der Kommunikation und im Projektmanagement.

Mobilität

Fit dank Dienstfahrrad – das Beispiel EBM-Papst.

Damit bei EBM-Papst nicht nur die hauseigenen Ventilatoren und Motoren auf Hochtouren laufen, sondern auch die Mitarbeiter*innen, setzt Kai Gebhardt, Personalleiter bei EBM-Papst in Landshut, seit geraumer Zeit auf die Kraft des Fahrrads. Und sein Engagement reichte schnell über Appelle zu einer umweltverträglichen Fortbewegung hinaus: Damit die Mitarbeiter*innen auch beim Zweirad bleiben, bietet das Unternehmen seit 2013 Diensträder an. Möglich wurde das, nachdem 2012 das Dienstfahrrad dem Dienstwagen steuerlich gleichgestellt wurde.

In der Praxis bedeutet das: Die Mitarbeiter*innen können sich ein Rad aussuchen, der Arbeitgeber bezahlt die monatlichen Leasing¬raten. Diese werden als Entgeltumwandlung auf dem Lohnzettel angerechnet. Dadurch sparen die Mitarbeiter*innen, weil für die Leasing-raten ein niedrigerer Steuersatz gilt. Endet der Leasingvertrag, können die Mitarbeiter*innen das Rad für einen geringen Restbetrag kaufen.

Inzwischen hat das Engagement dem Spezialisten für Ventilatoren und Motoren auch außerhalb der Firma Anerkennung eingebracht. So wurde das Unternehmen vom Allgemeinen Deutsche Fahrradclub (ADFC) als "fahrradfreundlicher Arbeitgeber" ausgezeichnet; regelmäßig nimmt EBM-Papst am "Landshuter Stadtradeln" teil.

Mit den Dienstfahrrädern leistet EBM-Papst einen unternehmerischen Beitrag zum Klimaschutz. So spart das Unternehmen laut Broschüre pro Jahr rund 350 Kilogramm CO2 ein. Darüber hinaus liefern die Räder aber auch einen ökonomischen Mehrwert: Nach eigenen Angaben sind die Mitarbeiter*innen mit Rad seltener krank als ihre fahrradlosen Kolleg*innen.