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Unternehmerische Verantwortung in der Corona-Krise:
Ein guter Arbeitsschutz gelingt nur gemeinsam!

14. Mai 2020

Wer in der Krise Verantwortung für seine Mitarbeitenden übernimmt, investiert in die eigene Zukunft. Denn ein guter Arbeitsschutz ist nicht nur eine Frage der Organisation, sondern auch eine Chance für eine bessere Unternehmenskultur.

Gruppe von Leuten schlägt Hände aufeinander.
Quelle:  iStock

Wer in der Krise Verantwortung für seine Mitarbeitenden übernimmt, investiert in die eigene Zukunft. Denn ein guter Arbeitsschutz ist nicht nur eine Frage der Organisation, sondern auch eine Chance für eine bessere Unternehmenskultur.

Die Corona-Pandemie verbietet nicht nur öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte oder den Besuch im Fußballstadion; auch am Arbeitsplatz ist die Gesundheit derzeit in Gefahr. Viele Beschäftigte befinden sich deswegen seit Wochen im Homeoffice. Für die meisten Unternehmen ist das eine ungewohnte Situation. Wie können notwendige Arbeitsprozesse aufrechterhalten und nachvollzogen werden? Bringen digitale Meetings wirklich den gleichen Output wie der persönliche Austausch im Büro? Wie lässt sich die Loyalität der Mitarbeitenden auch über die Ferne sicherstellen? Solche Fragen beschäftigen momentan viele Unternehmen. Doch auch Branchen, für die mobile Arbeit keine Option ist oder die durch die verfügten Lockerungen ihren Betrieb in diesen Tagen wieder öffnen können, stehen vor neuartigen Problemen: Wie gelingt es, den Gesundheitsschutz für die Mitarbeitenden sicherzustellen, so dass die Beschäftigten (wieder) gerne zur Arbeit kommen?

Und auch für die Arbeitnehmer*innen kann die Situation Stress bedeuten. Insbesondere Mitarbeitende mit Kindern stehen vor einer Doppelbelastung: Da Kindertagesstätten geschlossen haben, müssen sie nun neben ihrer Arbeit auch noch die Kinderbetreuung übernehmen. Viele Menschen sorgen sich zudem um Angehörige, leiden psychisch unter der Isolation oder befürchten durch das Homeoffice eine fehlende Balance zwischen Beruf und Privatleben. Kurzum: Eine gewaltige Herausforderung für alle Beteiligten.

Dabei stecken in dieser Krise auch neue Chancen, insbesondere für die Arbeitswelt. Denn in Zeiten der Arbeit 4.0 wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer*innen – unabhängig von Corona – die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten. Gerade für die nachwachsenden Generationen Y und Z ist Flexibilität bei der Jobsuche ein wichtiges Kriterium. Auch lassen sich durch flexible Arbeitsmodelle Fehltage nachweislich reduzieren. Gleichzeitig legen junge Menschen viel Wert auf einen sicheren Arbeitsplatz mit aktivem Gesundheitsschutz, guten Weiterentwicklungsmöglichkeiten und einer wertschätzenden Atmosphäre. Diese Aspekte sollten Unternehmen in ihre aktuellen Krisenüberlegungen miteinbeziehen. Wie aber können sie nun konkret Verantwortung für ihre Mitarbeitenden übernehmen?

Schnelle, unbürokratische Maßnahmen sind gefragt

Zunächst geht es um organisatorische Unterstützung und schnelle praktische Entlastung. Viele Unternehmen haben hier bereits vorgelegt und gewähren ihren Mitarbeitenden im Homeoffice flexible Arbeitszeiten oder unterstützen Beschäftigte mit Kindern durch eine Minusstundenregelung. In Branchen, in denen die Präsenz der Mitarbeitenden erforderlich ist oder die ihren Betrieb wieder aufnehmen, werden Markierungen für Mindestabstände angebracht und in Hygienemaßnahmen wie ausreichend Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken investiert.

Die Bundesregierung unterstützt Unternehmen in der Krise

Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen können die Unternehmen auf staatliche Hilfe zählen. So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Mitte April den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard veröffentlicht. Er beinhaltet zehn konkrete Maßnahmen, die den Schutz des Personals am Arbeitsplatz während der Pandemie verbessern sollen. So sollen Dienstreisen beispielsweise weiterhin auf ein Minimum beschränkt werden, die Beschäftigten durch das Entzerren von Pausen oder Schichtwechseln möglichst wenig direkte Kontaktmöglichkeiten haben und vom Unternehmen vor Ort klargestellt werden, dass die Gesundheit der Mitarbeitenden Priorität hat. Bereits Ende März trat zudem das Sozialschutz-Paket in Kraft. Hier ist unter anderem geregelt, dass die Voraussetzungen für den Bezug des Kurzarbeitergeldes erleichtert wurden. Darüber hinaus wurden Anpassungen beim Elterngeld vorgenommen und eine Notbetreuung von Kindern mit Eltern in systemrelevanten Berufen gewährt. Es können zudem Entschädigungen gezahlt werden, wenn Väter oder Müttern in Folge der erforderlichen Kinderbetreuung bei Kita- und Schulschließungen Verdienstausfälle erleiden.

Das wirkungsvollste Instrument: Eine vertrauensvolle Unternehmenskultur

Ein guter Arbeitsschutz ist aber nicht nur eine Frage der Organisation, sondern eine der umsichtigen Führung von Unternehmen. Dazu zählt in erster Linie eine offene, transparente Kommunikation. In einer bestehenden Vertrauenskultur zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitenden werden die zentralen Eckpunkte der getroffenen Maßnahmen und deren Folgen für den Arbeitsablauf offen erläutert. Das betrifft insbesondere die Arbeit im Homeoffice. Beispielsweise müssen Arbeitnehmer*innen nicht ständig erreichbar sein. Wie im Unternehmen gelten auch zuhause die tarifvertraglichen und gesetzlichen Regeln zu Arbeitszeit und -pausen. Empfehlenswert ist deswegen eine Betriebsvereinbarung zu mobilem Arbeiten, in der auch die Erreichbarkeit geregelt ist. Auf diese Weise wird einerseits Transparenz und Informationssicherheit für alle gewährleistet; andererseits tragen Unternehmen, die die Privatsphäre ihrer Beschäftigten respektieren, aktiv dazu bei, ihre Belegschaft gesund und leistungsfähig zu halten.

Zudem sollten Erwartungen und Geschäftsprozesse festgelegt werden, damit Arbeitsschritte fair nachvollzogen und bewertet werden können. Dabei ist auch Geduld gefragt, denn Unternehmen sollten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Zu jeder Zeit sollten Unternehmen über ihre wirtschaftliche Situation – auch in Bezug auf mögliche Kurzarbeit – informieren. Das hilft Zukunftsängsten vorzubeugen und Planungssicherheit zu gewährleisten.

Chance für neue Perspektiven und Entwicklungschancen

Zu einer verantwortungsvollen Unternehmenskultur in Krisenzeiten gehört darüber hinaus die Berücksichtigung zwischenmenschlicher Aspekte. Ehrliche Wertschätzung für den Einsatz von Arbeitnehmer*innen, sowie Empathie für die persönlichen Lebensumstände steigern nachhaltig die Motivation und Bindung innerhalb eines Unternehmens. Das unterstreichen Ergebnisse des jährlich erscheinenden Gallup Engagement Index. Es geht darum, Respekt für die erbrachte Leistung zu zollen, Talente zu fördern und Gestaltungschancen zu ermöglichen. Gerade in puncto digitaler Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden bietet die Corona-Krise eine große Chance in die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu investieren.

Zusammenhalt muss aktiv gefördert werden

Um den Zusammenhalt auch über die Distanz zu fördern, sollte zudem weiterhin der private Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen möglich bleiben: Es empfiehlt sich, dass Arbeitgeber virtuelle Räume schaffen, wo sich bewusst Zeit für persönliche Gespräche oder gemeinsame Team-Events genommen werden kann. So können virtuelle Kaffeepausen, Mittagessen und Geburtstagsfeiern in Zeiten der sozialen Distanz wichtige psychologische Abhilfe leisten.

Als Fazit lässt sich demnach festhalten: Nicht nur in der akuten Krise – aber hier besonders – tragen Unternehmen Verantwortung für ihre Mitarbeitenden. Richtig umgesetzt, können davon nicht nur die Beschäftigten profitieren, sondern auch die Arbeitgeber. Die Voraussetzung dafür ist eine wertschätzende Unternehmenskultur, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Betriebe, die hier bereits an bestehende Strukturen anknüpfen können, haben nun einen Vorteil. Alle anderen sollten die gegenwärtigen Erfahrungswerte als Blaupause für die eigene Zukunftsfähigkeit betrachten.