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Mit voller Energie in die zweite Phase: Branchendialog Energiewirtschaft setzt Zeichen für faire Lieferketten

BMAS / Julia Merkel

Staatssekretärin Lilian Tschan mit Vertreter*innen der am Branchendialog Energiewirtschaft teilnehmenden Organisationen, anlässlich des Spitzengesprächs am 02.07.2026.

Der Branchendialog Energiewirtschaft wird ab dem 1. Juli 2026 eigenständig unter dem Dach des UN Global Compact Netzwerk Deutschland (UN GCD) fortgeführt, nachdem er dreieinhalb Jahre durch das BMAS gefördert wurde. Damit setzen die beteiligten Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen ein starkes Zeichen: Sie wollen den Dialog und die Zusammenarbeit zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten auch künftig gemeinsam gestalten.

Die Initiative wird seit 2023 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ermöglicht und durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH begleitet. Mit dem Übergang in die zweite Phase stellt sich der Branchendialog Energiewirtschaft künftig organisatorisch und finanziell unabhängig auf.

Der Branchendialog Energiewirtschaft des BMAS zeigt, wie die Zusammenarbeit von verschiedenen Stakeholdern gelingen kann. Unternehmen, Zivilgesellschaft, Verbände und Gewerkschaften bündeln ihre Kompetenzen und Ressourcen, um menschenrechtliche Sorgfalt in globalen Lieferketten konkret zu stärken. Ich freue mich, dass dieses erfolgreiche Format künftig unter dem Dach des UN Global Compact Netzwerk Deutschlands weitergeführt wird.

Starkes Signal in herausfordernden Zeiten

21 Mitglieder sind zukünftig dabei. Die Entscheidung, den Energiedialog eigenfinanziert durch die Unternehmen fortzusetzen, ist ein starkes Signal. Sie unterstreicht den hohen Stellenwert, den die beteiligten Mitglieder der umsetzungsorientierten Zusammenarbeit über Stakeholdergruppen hinweg beimessen.

Viele der größten menschenrechtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende erfordern gemeinsames Handeln und Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungsketten. Der Branchendialog bietet eine einzigartige Plattform, auf der Unternehmen, Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft ein gemeinsames Verständnis von Risiken entwickeln und gemeinsam an praxisnahen Lösungen arbeiten können. Für RWE ist dieser kollaborative Ansatz ein wesentlicher Grund, die Fortführung der Initiative zu unterstützen.

UN Global Compact baut sein Engagement für sektorspezifische Dialogformate aus

Das UN Global Compact Netzwerk Deutschland wird ab dem 1. Juli den Branchendialog Energiewirtschaft fortführen.

Die Übernahme des Branchendialogs Energiewirtschaft ist für uns ein konsequenter nächster Schritt, nachdem wir im letzten Jahr den Branchendialog Automobilindustrie übernommen haben. Als führende Multi-Stakeholder-Plattform für verantwortungsvolle Unternehmensführung unterstützen wir unsere Mitglieder seit mehr als zwei Jahrzehnten dabei, Nachhaltigkeit im Unternehmen zu verankern und Lieferketten resilienter zu machen.

Praxisorientierte Ergebnisse für die Energiebranche

Mit seiner bisherigen Arbeit konnte die Initiative bereits wichtige Grundlagen für die Umsetzung von Sorgfaltspflichten legen. Dazu gehörte die Entwicklung eines gemeinsamen Risikoverständnisses [PDF, 4MB] für die Energiebranche, die für die abstrakte Risikobetrachtung und für Gespräche mit Zulieferern genutzt werden kann. Darüber hinaus wurden konkrete Projekte zum Schutz von Menschenrechtsrisiken beim Abbau von Bauxit in Guinea, dem Grundstoff für die Herstellung von Aluminium, sowie zum Schutz vor Arbeitsausbeutung beim Bau von Energieinfrastruktur umgesetzt. Ein daraus entstandener Maßnahmenkatalog [PDF, 7MB] wird aktuell in Unternehmen pilotiert.

Der größte Mehrwert des Branchendialogs Energiewirtschaft (BDE) besteht im gemeinsamen Vorgehen. Dadurch können wir komplexen Risiken – etwa im Zusammenhang mit dem Abbau von Rohstoffen oder bei der Produktion von Vorprodukten – im Zusammenwirken aller BDE-Mitglieder weitaus effektiver entgegenwirken, als es jedem einzelnen Unternehmen möglich wäre.

Entscheidend ist für uns, dass der Branchendialog kein reines Austauschforum ist, sondern seinen besonderen Charakter bewahrt: Unternehmen, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften entwickeln gemeinsam konkrete Präventions- und Abhilfemaßnahmen und bringen diese in die Umsetzung. Genau darin liegt der Mehrwert dieses Formats.

In der nächsten Phase werden sich die Mitglieder des Branchendialogs darauf konzentrieren, weitere kollektive Maßnahmen für relevante Lieferketten in der Energiewirtschaft umzusetzen. Verantwortungsvolle Beschaffungspraktiken, Einbeziehung von Stakeholdern und Engagement in Produktions- und Fertigungsländern sind mögliche Ansatzpunkte. Die gemeinsame Risikobetrachtung wird mit Blick auf die neue europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) aktualisiert.

Spitzengespräch am 2. Juli 2026 im BMAS

Als Abschluss der ersten Phase tauschten sich die Staatssekretärin Lilian Tschan und Mitglieder des Branchendialogs Energiewirtschaft beim Spitzengespräch am 2. Juli darüber aus, wie die EU-Richtlinie zur Lieferkettensorgfalt bürokratiearm und vollzugsfreundlich umgesetzt werden kann, ohne menschenrechtliche Standards abzusenken.

Staatssekretärin Lilian Tschan machte dabei deutlich:

Für das BMAS haben menschenrechtliche Sorgfaltspflichten eine hohe Priorität – als verbindliche Vorgabe für gerechte Arbeitsbedingungen weltweit und als Instrument für gleiche Wettbewerbsbedingungen der Unternehmen. Wichtig ist ein Smart Mix aus gesetzlichen und freiwilligen Maßnahmen.

Die Branchendialoge wurden als gutes Praxisbeispiel gewürdigt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Smart Mix aus gesetzlich verpflichtenden und freiwilligen Maßnahmen, wie ihn die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs) vorsehen.

Die Mitglieder des Branchendialogs Energiewirtschaft ab dem 1. Juli 2026