Die Einbindung von Nachhaltigkeit in Forschung und Produktentwicklung ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Geschäftstätigkeit. Diese Umstellung erfordert Innovationsgeist, bietet aber große Chancen: Neue Prozesse und Verfahren heben die Effizienz und senken Kosten – beispielsweise durch die Verringerung des Energieverbrauchs, gezielte Materialeinsparungen oder den Einsatz umweltfreundlicherer Alternativen. Zudem eröffnen nachhaltige Innovationen völlig neue Marktchancen.
Bei der nachhaltigen Produktentwicklung geht es darum, jede einzelne Phase im Lebenszyklus eines Produkts so umweltverträglich wie möglich zu gestalten: von der Rohstoffgewinnung über die Nutzungsphase bis hin zur Entsorgung und dem Recycling. Unternehmen können dabei bestehende Produkte systematisch verbessern oder umweltverträgliche Produkte komplett neu entwickeln.
Vom Green Design zum Design für Nachhaltigkeit
Der Weg zu einem nachhaltigen Produkt lässt sich in drei Entwicklungsstufen unterteilen:
- Green Design: Beschreibt die Optimierung bestehender Produkte, wie beispielsweise den Einsatz von Biokunststoffen anstelle von konventionellem Plastik
- Eco Design: Geht einen Schritt weiter und nimmt den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinsichtlich seiner Ökoeffizienz in den Blick. Ziel ist es, dass möglichst viele Bestandteile wiederverwertet werden können
- Design for Sustainability: Berücksichtigt neben den ökologischen Aspekten auch soziale Einflüsse und Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Produktion und Nutzung
Der gesetzliche Rahmen: Die EU-Ökodesign-Verordnung
Die umweltgerechte Produktgestaltung wird maßgeblich durch den Gesetzgeber gesteuert. Die europäische Ökodesign-Verordnung (ESPR) bildet das Fundament für eine echte Kreislaufwirtschaft auf dem EU-Binnenmarkt. Ein zentrales Instrument wird dabei der Digitale Produktpass (DPP) sein, der Nachhaltigkeits- und Materialdaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent und maschinenlesbar per Scancode zugänglich machen soll.
Vom Konzept zur Praxis: Bewährte Entwicklungswerkzeuge
Die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den F&E-Prozess erfordert eine systematische Herangehensweise. Anstatt bewährte Routinen komplett zu verwerfen, können Entwickler auf etablierte, wissenschaftlich fundierte Leitfäden und Toolkits zurückgreifen:
- Kriterienmatrix für ökologisches Design: Herausgegeben vom Umweltbundesamt, bezieht sich dieser Leitfaden auf den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – angefangen bei der Ideenfindung bis zur Entsorgung bzw. Verwertung
- 7-stufiger Leitfaden für eine nachhaltige Produktentwicklung: Das in Dänemark entwickelte Tool richtet sich primär an Produktentwickler*innen, die neue Geschäftsfelder erschließen und Umweltbelange in ihre Produktionsprozesse integrieren wollen
- Online-Toolkit der OECD: Das Toolkit ist ein Wegweiser für Produzenten. Es soll ihnen ermöglichen, Effizienz und Nachhaltigkeit von Produktionsprozessen und Produkten zu erhöhen