Die Globalisierung hat die internationale Textil- und Bekleidungsindustrie grundlegend verändert. Um im harten globalen Wettbewerb zu bestehen, wurden arbeitsintensive Produktionsschritte fast vollständig in Entwicklungs- und Schwellenländer verlagert. Die in Deutschland verkaufte Kleidung stammt heute zum weitaus größten Teil aus Ländern wie Bangladesch, China, Indien oder der Türkei. Diese geografische Distanz führt zu komplexen, schwer durchschaubaren Lieferketten.
Herausforderungen bei den weltweiten Arbeits- und Umweltstandards
Weltweit sichert die Bekleidungsindustrie über 60 Millionen Menschen ein Einkommen. Doch in vielen Produktionsländern werden grundlegende Menschenrechte sowie elementare Umweltauflagen nicht ausreichend geschützt. Führende deutsche Modeunternehmen setzen daher auf eigene Kontroll- und Unterstützungssysteme. Durch die Einführung strenger Zertifizierungen und die Durchführung praxisnaher Fortbildungen für Zulieferbetriebe gelingt es zunehmend, die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in den Textilfabriken messbar zu verbessern.
Enge Zusammenarbeit von Politik und Unternehmen
Die Bundesregierung unterstützt die textile Transformation auf verschiedenen Ebenen. In den Produktionsländern fördert sie die Etablierung unabhängiger Gewerkschaften und berät lokale Regierungen. Deutsche Abnehmerunternehmen sind dringend gefordert, auf die strikte Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen in allen Produktionsstufen hinzuwirken. Transparenz ist dabei längst kein reiner Kostenfaktor mehr: Eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation stärkt das Vertrauen der Verbraucher*innen und sichert Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil am Markt.
Wie gelingt der Umweltschutz von Anfang an?
Der ökologische Fußabdruck der Textilbranche entscheidet sich bereits auf dem Feld und in der Färberei. Der konventionelle Baumwollanbau verbraucht immense Wassermengen und belastet Böden durch den Einsatz von Pestiziden. In der Textilveredelung kommen zudem häufig umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz. Verantwortungsbewusste Unternehmen steuern hier wirksam gegen:
- Sie stellen ihre Kollektionen konsequent auf zertifizierte Bio-Baumwolle oder recycelte Fasern um
- Sie verzichten in den Nassprozessen (Färben, Bleichen) vollständig auf gefährliche Umweltgifte
- Sie nutzen anspruchsvolle, unabhängige Siegel zur transparenten Kennzeichnung umweltfreundlicher Produkte
Gemeinsam Standards setzen: Branchenbündnisse und staatliche Siegel
Flächendeckende Verbesserungen lassen sich in der globalen Textilwirtschaft nur durch gemeinsame Anstrengungen erzielen. Ein zentrales Instrument ist das neue Multi-Stakeholder-Netzwerk „Dialogue and Impact for Sustainable Textiles“ (DST). Hervorgegangen aus dem 2014 gegründeten „Bündnis für nachhaltige Textilien“, bringt das DST Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik an einen Tisch. Im Auftrag des BMZ von der GIZ koordiniert, übersetzt das Netzwerk den Dialog in konkrete Projekte vor Ort, um Umweltstandards sowie Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern direkt zu verbessern.
Zudem bietet das staatliche Siegel Grüner Knopf verlässliche Orientierung.